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Wie KI im Bewerbungsprozess eingesetzt wird

KI im Bewerbungsprozess: Die ganze Welt spricht von KI – und was hat das nun mit meiner Bewerbung zu tun?

„Maschinelles Lernen, generative KI, ATS, Chatbots, Agenten, MCP-Schnittstellen“ – schon mal gehört? Vielleicht schon, aber auch verstanden?

ChatGPT, Gemini, Claude, Copilot und so weiter vielleicht schon eher – das ist doch die KI, mit der ich mir Kochrezepte suche, Internetrecherche betreibe oder sogar spreche, um Probleme zu lösen …?

Mir schwirrte erst einmal der Kopf, als ich verstehen wollte, wie diese KI, diese künstliche Intelligenz, auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt wird und was das mit meinen Bewerbungen zu tun hat! Aber jetzt habe ich es verstanden und möchte es euch möglichst einfach erklären.

Lebensläufe und Anschreiben erstellen oder Vorstellungsgespräche üben

Fangen wir einfach mit der generativen KI an.

„Generare“ ist ein lateinisches Wort und heißt so viel wie „erschaffen“. Generative KI ist somit eine künstliche Intelligenz, die für mich etwas erzeugt oder herstellt. Dazu gehören zum Beispiel ChatGPT, Gemini, Claude und wie sie alle heißen.

Mit ihrer Hilfe kann ich zum Beispiel Bewerbungsunterlagen wie Lebensläufe und Anschreiben erstellen, meine Unterlagen auf Rechtschreibfehler überprüfen oder sogar Vorstellungsgespräche mit der Sprachfunktion dieser Programme üben. Sehr praktisch!

Der Haken daran ist allerdings, dass die Programme so wohlwollend programmiert sind, dass man fast immer positives Feedback bekommt – auch wenn die Unterlagen vielleicht gar nicht so gut sind. Oder, und das ist sogar noch wahrscheinlicher, die Unterlagen sind am Ende viel zu perfekt formuliert, sodass ein Mensch sofort erkennt: Das hat kein Mensch formuliert beziehungsweise das hat nichts mit meiner persönlichen Sprache zu tun.

Anwendungen der generativen KI sind auch Chatbots, die uns ermöglichen, zum Beispiel einen Arbeitgeber zu kontaktieren, indem wir einfach eine kurze Nachricht auf der Website eingeben und mit der KI kommunizieren. Unternehmen wie die Deutsche Bahn bieten bereits eine Stellenrecherche per Chatbot an. Mit zum großen Teil vorgefertigten Sprachbausteinen zum Auswählen navigiert man durch das System. Aber wehe dem, dessen Anliegen nicht exakt einem Button entspricht, der da aufpoppt! Es dauert lange und ist noch ausbaufähig, würde ich sagen – ich habe es ausprobiert. Hier ist der klassische Weg über die Karriereseite des Unternehmens noch schneller. NOCH zumindest!

Lebensläufe analysieren, Schlüsselbegriffe erkennen und Bewerbungen abgleichen

Beim maschinellen Lernen dagegen lernt die KI selbst anhand von Mustern. Wie genau funktioniert das? Die KI wird zunächst mit Daten gefüttert – zum Beispiel: rund und rot = Apfel, lang und gelb = Banane. Jetzt gleicht der Computer neue Bilder damit ab und merkt: „Oh, das ist rund, aber es ist grün! Bananen sind lang und gelb, Äpfel sind rund und rot. Das passt nicht perfekt … Aber weil es rund ist, tippe ich zu 80 Prozent auf einen Apfel.“ Dann bekommt er die Antwort: „Ja, richtig, es gibt nämlich auch grüne Äpfel!“ Jetzt hat die KI dazugelernt, dass es auch grüne Äpfel gibt – und so geht es immer weiter.

Und was hat das jetzt mit meiner Bewerbung zu tun? Künstliche Intelligenz, die maschinell lernt, wird zum Beispiel von Unternehmen eingesetzt, um Lebensläufe zu analysieren, Schlüsselbegriffe zu erkennen und Bewerbungen mit den eigenen Stellenanzeigen abzugleichen.

Wir können uns diese sogenannten Bewerbungsmanagementsysteme wie einen digitalen Postboten vorstellen, der alle Bewerbungen sammelt, sie schnell durchliest, nach wichtigen Wörtern Ausschau hält und dann vorsortiert oder sogar aussortiert. Der Mensch liest am Ende vor allem diejenigen Bewerbungen selbst durch, die am besten passen.

Für die Arbeitgeber ist das sehr praktisch – aber rechtlich noch in einer Grauzone. Die KI kann durchaus diskriminieren, wenn sie nicht exakt weiß, was zu tun ist. Und der eine oder andere gute Bewerber rutscht vielleicht auch einfach durchs Raster. Aber es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Bewerbungsmanagementsysteme eher die Regel als die Ausnahme sind.

Verwandte Berufsbezeichnungen nutzen und Fähigkeiten ableiten

Zu dieser maschinell lernenden KI gehören zum Beispiel ATS-Systeme (Applicant Tracking Systems, also „Bewerber-Verfolgungs-Systeme“), die mittlerweile, wie oben beschrieben, in steigender Zahl von Unternehmen genutzt werden. Dazu gehören auch die Matching-Systeme auf Jobportalen.

Eine Stellenbörse wie Stepstone kann dadurch zum Beispiel verstehen, dass bei der Suche nach einem „Projektmanager“-Job auch Stellenanzeigen für „Project Lead“ oder „Product Owner“ relevant sein könnten. Die KI versteht also verwandte Berufsbezeichnungen.

Bei Indeed gibt es einen Abgleich mit der Lebenslaufdatenbank („Instant Match“), über den Arbeitgeber und Bewerber schneller zusammenfinden. Das geht sogar schon so weit, dass aus den eingegebenen Daten weitere Fähigkeiten abgeleitet werden, wie bei LinkedIn. Ich sage dem Programm zum Beispiel, dass ich „Content-Marketing“ kann, und daraus leitet das System automatisch ab, dass ich auch im Bereich „Copywriting“ oder „SEO“ stark sein könnte.

So hilft mir die KI tatsächlich, mehr aus meiner Suche herauszuholen! Gelegentlich schießt sie allerdings übers Ziel hinaus und bei der Suche nach einer Stelle als „Jobcoach“ kommt auch der „Heilerzieher“ mit ins Matching-Ergebnis. Hoppla! Aber das passiert natürlich vor allem, wenn auf der entsprechenden Stellenbörse gerade nicht so viel von dem angeboten wird, was man sucht.

Agenten suchen vollautomatisiert passende Stellenangebote

Abschließend noch etwas zu Agenten und MCP-Schnittstellen … Nein, nicht 007, aber trotzdem nicht schlecht!

In der Zukunft, der nahen Zukunft … nein, es passiert sogar schon in der Realität – erst neulich habe ich es bei einer Weiterbildung ausprobiert! Wir kommunizieren A:A, das heißt Agent mit Agent. Die KI spricht also mit der KI, bevor überhaupt „Hands-on“ der Mensch übernimmt.

So werden Verträge von Maschine zu Maschine verhandelt, bis sich die KI zu einem zuvor vom Menschen – juhu! – festgelegten Zeitpunkt zurückzieht und uns wieder ans Ruder lässt. Initiativbewerbungen könnten vielleicht bald auf einem solchen Weg funktionieren. Aber noch ist es ein bisschen Zukunftsmusik – wobei die KI so schnell ist, dass das schneller gehen kann als gedacht.

Vollautomatisierte Jobsuche mit Agenten und MCP-Schnittstellen

Für uns nutzen können wir Agenten aber auch jetzt schon hervorragend. Neben dem Textfeld in der KI findet man sie. Ich kann einen Agenten zum Beispiel beauftragen, mir jeden Tag Stellenangebote zu schicken, die genau zu meinem Profil passen. Er sucht also für mich. Das ist ein echter Mehrwert – vollautomatisiert!

Auch profitieren werden wir wohl schon bald von den sogenannten MCP-Schnittstellen. MCP steht für Model Context Protocol und wird auch als „USB-C-Anschluss für KI“ bezeichnet. Wir können uns das wie ein Kabel vorstellen, das die von uns gewählte KI mit all den Apps verbindet, die wir bereits nutzen.

Dann suchen wir nur noch aus, welche KI wir verwenden – Gemini, Copilot, ChatGPT, Claude …? Sie ist anschließend mit unseren anderen Programmen verbunden: mit dem E-Mail-Programm, Social-Media-Accounts, LinkedIn, Xing und weiteren Anwendungen. Ich kann mit der KI dann reden wie mit einem Mitarbeiter und sie als Agenten ausbilden, der meine Buchhaltung macht oder meine Bewerbungen vollautomatisiert versendet, sobald eine passende Stelle auftaucht.

Mein Fazit

KI ist zum jetzigen Zeitpunkt ein Werkzeug, mit dem ich wirklich sehr schnell Dinge vorantreiben kann. Sie ist so schnell, dass mir erneut der Kopf schwirrt. Sie kann enorm Spaß machen und ich muss mich nicht immer so anstrengen.

Aber seien wir ehrlich: Sie macht ihre Arbeit basierend auf den Daten, mit denen sie gefüttert wurde. Diese Daten sind zwar umfangreich, aber nicht zwingend vollständig oder wahr. Die KI kommuniziert noch in einer Art und Weise, die nicht immer dem Menschen entspricht. Sie kann durchaus diskriminieren und auch halluzinieren, also einfach Dinge erfinden.

Im Kontext der Bewerbungswelt sollten wir sie unbedingt nutzen, um den Abgleich mit Stellen zu verbessern, gut am digitalen Postboten vorbeizukommen und schließlich den Menschen zu erreichen, für den ich einmal arbeiten will – beziehungsweise in der großen Masse den Menschen zu finden, der zu meinem Unternehmen passt.

Fazit der KI

Ich habe Copilot gefragt:

„Wie lange dauert es deiner Meinung nach noch, bis die KI die Bewerbungsprozesse so weit automatisiert hat, dass der Mensch nur noch zum Gespräch erscheint – sofern er seinen Lebenslauf hinterlegt hat?“

Die Antwort am 5. Oktober 2026:

„Wenn du mich fragst, wann ein typischer Bewerbungsprozess so aussieht, dass jemand lediglich seinen Lebenslauf hochlädt und erst zum Gespräch wieder einen Menschen sieht, würde ich sagen:

  • Bei großen Unternehmen: teilweise schon heute.
  • In den nächsten drei bis fünf Jahren: wahrscheinlich in vielen standardisierten Berufen.
  • In den nächsten fünf bis zehn Jahren: könnte das in einem großen Teil der Büro-, Vertriebs-, Service- und Verwaltungsberufe zum Normalfall werden.

Der eigentliche Flaschenhals ist nämlich nicht die Technologie. Die KI kann heute schon Lebensläufe analysieren, Stellenanzeigen verstehen, Kandidaten ranken, Kompetenzprofile erstellen, passende Fragen für Interviews generieren, Eignungstests auswerten sowie Video- und Sprachinterviews analysieren. Das gibt es alles bereits.

Was Unternehmen heute noch bremst, sind Datenschutz, EU AI Act, Diskriminierungsrisiken, Haftungsfragen, die Akzeptanz bei Bewerbern, Betriebsräte und Fachkräftemangel – man will manchmal lieber selbst prüfen. Deshalb glaube ich nicht, dass Menschen komplett aus dem Prozess verschwinden.“

Katrin Bätz, 05.10.2026